RATGEBER · KAPITEL A-07 · ABLAUF
Ablauf einer Garten-Baustelle
Von der ersten Besichtigung bis zur Abnahme vergehen Wochen bis Monate — und jede Phase hat eigene Spielregeln. Wer sie kennt, erkennt sofort, ob seine Baustelle professionell läuft.
Sieben Phasen im Überblick
Jede Gartenbaustelle — von der Terrasse bis zur Komplett-Neuanlage — folgt demselben Muster. So sieht der Weg aus.
Anfrage
Vorhaben, Fotos, Lageplan und Budgetrahmen — je konkreter die Anfrage, desto schärfer das spätere Angebot.
Besichtigung
Der Profi kommt, misst, fragt und hört zu: 30–60 Minuten vor Ort, die über alles entscheiden.
Planung & Angebot
Aufmaß, Konzept und Leistungsverzeichnis mit Festpreisen — schriftlich, verständlich, vergleichbar.
Vergabe & Vertrag
Vertrag nach VOB/B mit Bauzeitenplan, Zahlungsplan und Gewährleistung — nichts bleibt mündlich.
Bauvorbereitung
Container, Materialbestellung, Wegerandel: die „Woche null", in der schon feststeht, wie glatt alles läuft.
Ausführung
Erdbau, harte Anlage, Pflanzarbeiten — der Betrieb steuert, Sie schauen zu und dokumentieren.
Abnahme & Anwuchsphase
Gemeinsamer Rundgang, Protokoll, Mängelfristen — und der Start ins erste Gartenjahr, in dem die Pflegeeinarbeitung oft inklusive ist.
Die Besichtigung — das wichtigste Gespräch
Kein seriöser Betrieb gibt ohne Besichtigung ein verbindliches Angebot. Dieses Gespräch ist keine Formalie, sondern das Fundament des Projekts.
Was ein Profi fragt
Wünsche und Nutzungen (Kinder, Tiere, Sitzecken, Gemüse?), realistisches Budget, Zeitrahmen, Pflegebereitschaft. Dazu misst er: Lichtverhältnisse, Bodenzusammensetzung, Gefälle, Zufahrt, Lagerflächen. Ein Betrieb, der nur „schön, machen wir" sagt, hat nicht zugehört.
Was Sie vorbereiten
Grundriss oder Luftbild-Ausschnitt, Fotos von Problemstellen, eine grobe Wunschliste, Beispiele, die Ihnen gefallen — und ein Budget, das Sie offen benennen. Ein Profi plant besser, wenn er weiß, welche der drei Ausbaustufen Sie brauchen.
Was Sie hier schon über den Betrieb lernen
Pünktlichkeit, Fragen, Notizen, Blick für Bestand: Die Besichtigung ist die erste Bauleistung. Preisspannen und Rechenbeispiele für diese Phase vertiefen wir im Kapitel „Was kostet ein neuer Garten?".
Angebot und Vergabe
Das Angebot ist der Moment der Wahrheit — hier zeigt sich, ob der Betrieb plant oder rät.
- Schriftlich, immer: Ein Angebot ohne Leistungsverzeichnis mit Mengen, Einzelpreisen und Endsummen ist keine Grundlage — es ist eine Vermutung.
- Festpreis statt Einheitspreis-Falle: Festpreise für klar umrissene Leistungen; Einheitspreise nur, wo Mengen ehrlich nicht vorhersagbar sind (Erdbau, Fels, kontaminierte Böden).
- Bauzeitenplan: Anfang, Abschnitte, Ende — mit Regelfall-Formulierung für Witterung. Ohne Terminbindung ist „irgendwann im Sommer" kein Plan.
- Zahlungsplan: Abschläge nach Baufortschritt (10–20 % je Abschnitt), Schlusszahlung nach Abnahme. Mehr als 30 % Vorkasse sind ein Warnsignal.
- Gewährleistung: Bei Verträgen nach VOB/B vier Jahre auf Bauleistungen — das gehört in den Vertrag, nicht in ein Gespräch.
- Die Vergabe selbst: Nie nach Preis allein. Das Gesamtpaket aus Planungsqualität, Referenzen und persönlichem Vertrauen entscheidet — Sie arbeiten Wochen mit diesen Menschen.
Was auf der Baustelle passiert
Der typische Wochenrhythmus einer mittleren Neuanlage — in der richtigen Reihenfolge, denn jede Phase baut auf der vorherigen auf.
So lange dauert es wirklich
Bauzeit ist Zeit auf der Baustelle — dazu kommt der Vorlauf von Besichtigung bis Baubeginn. Beide zusammen sind der ehrliche Projektzeitraum.
| Projekt | Bauzeit auf dem Grundstück | Vorlauf (Anfrage–Beginn) |
|---|---|---|
| Kleine Neuanlage (100–300 m²) | 1–2 Wochen | 4–6 Wochen |
| Mittlere Neuanlage (300–600 m²) | 2–4 Wochen | 6–8 Wochen |
| Komplett-Garten am Neubau | 4–8 Wochen | 8–12 Wochen |
| Terrasse oder Weg allein | 1–2 Wochen | 2–4 Wochen |
| Nur Bepflanzung | 3–5 Tage | 2–4 Wochen |
| Pflege-Vertrag | laufend nach Plan | — |
Die Saison spielt mit: Wer im Februar anfragt, bekommt Frühjahrs-Termine; wer im Juni anfragt, oft erst ab September. Der Februar ist der Geheimtipp für Termine und Planungsrücklauf.
Abnahme, Mängel, Gewährleistung
Die Abnahme ist kein Höflichkeitsrundgang — sie ist ein Rechtsakt mit Fristen.
Das Abnahmeprotokoll
Gemeinsamer Rundgang mit Liste: Was ist fertig, was ist offen, welche Fristen gelten für Restleistungen? Beide unterschreiben. Ohne Abnahme startet die Gewährleistungsfrist schleppend — mit Abnahme sauber und nachweisbar.
Mängel richtig melden
Sichtbare Mängel sofort im Protokoll, versteckte Mängel nach Entdeckung — beides schriftlich mit Frist zur Nachbesserung, nicht als telefonisches „könnten Sie mal…". Fotos dazu. Seriöse Betriebe reagieren auf eine saubere Mängelanzeige mit Termin, nicht mit Diskussion.
Gewährleistung
Verträge nach VOB/B tragen vier Jahre Gewährleistung auf Bauleistungen; Pflanzen unterliegen den handelsüblichen Anwuchsregeln (Ersatz bei nachweislichem Ausfall im ersten Jahr). Der Unterschied erklärt sich von selbst: schriftliche Verträge schützen beide Seiten.
Rechtliches hier ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung — im Einzelfall zählen Ihr Vertrag und die Auskunft Ihres Bauherrn-Betriebs.
Häufige Fragen zum Ablauf
Brauche ich einen Gartenarchitekten zusätzlich zum Betrieb?ANTWORT
Bei klassischen Gärten bis mittlerer Größe: meist nein — GaLaBau-Meisterbetriebe planen und bauen aus einer Hand, das spart Schnittstellen. Ein freier Landschaftsarchitekt lohnt bei sehr komplexen, mehrjährigen Projekten oder Wettbewerbsvorgaben.
Können wir während der Bauzeit auf dem Grundstück wohnen?ANTWORT
In der Regel ja — aber besprechen Sie Zufahrten, Wasser, Strom und Tagesroutinen vorher. Gute Betriebe sichern Wege ab und planen „Grüne Korridore" zum Haus, damit die Küche erreichbar bleibt.
Was passiert bei Regen oder Verzögerungen?ANTWORT
Witterung gehört zum Baualltag — der Bauzeitenplan im Vertrag regelt Bauzeitverlängerungen. Was er nicht hergeben darf: stille Kostennachträge. Verzögerung ja, Überrumpelung nein.
Wie viel Anzahlung ist normal?ANTWORT
10–20 % nach Baubeginn, weitere Abschläge nach fertigen Abschnitten, die Schlusszahlung nach Abnahme. Alles andere — vor allem 50 % Vorkasse — ist ein Warnsignal; die Details stehen im Kapitel „Den richtigen Betrieb finden".